12 populäre Fehler bei “Link-Kooperations-Anfragen”

by Philipp Klöckner on 06/11/2009

kontaktMan kann die Augen schlecht davor verschließen, dass eCommerce-Projekte, die auf SEO-Traffic angewiesen und nicht von Haus aus mega-viral sind, irgendwie trotzdem dafür sorgen müssen, dass Sie Links bekommen um bei Google für mehr als den eigenen Namen zu ranken. Egal ob man nun um Links bettelt, Links kauft oder aber tauscht, am Anfang steht stets eine meist schriftlich formulierte Anfrage per eMail. Die dem Untergang geweihte Mail eines Mitbewerbers, die mich heute in meinem (SPAM-)Posteingang erwartete sollte dazu führen, dass ich heute die 12 häufigsten aber in 90% der Fälle begangenen Fehler aufliste. Natürlich ist die Liste rein subjektiv, diskussionswürdig und darf gern erweitert werden in den Kommentaren.

1. Der Betreff ist die erste und evtl. letzte Chance

Sollte man eine eMail schreiben, ist der Betreff aus vielerlei Hinsicht besonders wichtig (wie immer im eMail-Verkehr!). Wenn der Betreff “Ihre Webseite”, “Link”, “Anfrage” oder “Kooperationsanfrage” heißt, bekomme ich nicht nur keinen Eindruck davon, worum es in der eMail geht, sondern jedem halbwegs erfahrenem Marketer sollte auch klar sein, dass genau diese subjects bevorzugt von Spammern genutzt werden. Also wie groß wird die Chance sein, dass man sich die 2-3 echten Anfragen aus dem SPAM-Ordner “raus-pult”?

2. Verschweige nicht, wer den Link kaufen würde!

Insbesondere Skill-Gaming und Gambling Seiten, aber auch genügend andere Antragsteller, kommen in der Regel mit einer vollkommen unpräzise Anfrage daher, ohne zu sagen welche Seite man überhaupt verlinken soll. Die Mail schafft vor allem Bedarf für Rückfragen, die ich aber nicht 100 mal am Tag stellen will. Daher ist das Ignorieren der Anfrage der einzig effiziente Umgang mit ihr. Also besser gleich sagen worum es geht!

3. Sag wer Du bist!

Ebenso sinnfrei ist es, sich selbst als Person nicht zu identifizieren. Namen wie “Linkmarketer”, “Rick”, “….” und hotmail- bzw. Yahoo-eMail-Adressen geben mir nicht wirklich das Gefühl, dass ich es mit einem seriösen Gegenüber zu tun habe. Meistens ist es dann auch nicht so…

4. Sag mir wer ich bin!

Ebenso unhöflich wie dämlich ist es, den Webseitenbetreiber mit “Hallo Webmaster!”, “Sehr geehrte/r Webseitenbetreiber/in”, “Dear Mr./Mrs. [$name_whois]” oder “Undisclosed recipients” anzureden. Wenn Du mir das Gefühl gibst, ich bin Opfer eines automatischen Skripts geworden, werde ich eine automatische Regel nutzen um Deine Anfrage in den SPAM-Ordner zu schicken, wenn Sie nicht sowieso schon dort gelandet ist. Getoppt wird “Undisclosed recipients” übrigens nur noch vom Gegenteil. Nämlich einem offenen Empfänger-Feld mit Dutzenden oder Hunderten von Empfänger-eMail-Adressen.

5. Sag was Du willst!

Wenn Du Links kaufen oder mieten willst, dann nenn es nicht Werbeeinbindung, Kooperationsangebot oder Werbung in Textlinkform und red nicht um den heißen Brei herum. Sonst könnte ich denken, dass auch nofollow-Links die Ansprüche Deiner “innovativen Werbemaßnahme” erfüllen. Du willst Links auf meiner Webseite kaufen – that’s it.

6. Sei konkret!

“…sind wir auf Ihre Webseite gestoßen und würden gern…” – Ein Fehler den 90% der Linkkäufer noch machen. Selbst ein Skript sollte es schaffen die entsprechende Domain von der eine Verlinkung erfolgen soll in die eMail zu kopieren. Wer davon ausgeht, dass der Empfänger der Anfrage nur eine Domain hat und schon wüsste, dass es um genau diese geht entlarvt nur die Beschränktheit seines eigenen Horizonts. Je mehr Projekte man besitzt, desto mehr solcher Anfragen erhält man und desto seltener nimmt man sich die Zeit noch nachzufragen, worum es denn nun eigentlich geht.

7. Wie und wo kaufst Du Links? – Zeige Beispiele!

Unerfahrene LinkVERkäufer verkaufen für 30€ im Jahr jeden sitewide Link, Link-Boxen, Widgets oder ganze Linkwüsten im Footer. Unerfahrene LinkEINkäufer kaufen diese Links dann auch gern. Für manche Menschen ist es aber durchaus von Bedeutung, ob er eine Linkliste sitewide in die Navigation einbauen soll, ein cooles Widget nutzen soll oder zum Beispiel einen interessanten Artikel zur exklusiven Nutzung samt redaktionell verbautem Link zur Verfügung gestellt bekommt. Also versuch darauf einzugehen, WIE und WO Du Links kaufen willst und präsentiere einen best practise case einer gelungenen Integration als Beipiel.

8. Nimm nicht mich als Beispiel!

Freunde für’s Leben schafft man sich, wenn man gleich 20 existierende Kooperationspartner, idealerweise große Portale und bekannte Publikationen als Referenzen für den erfolgreichen Einkauf anhängt. Das gibt mir das Gefühl dass der Antragsteller nicht wirklich genug Feingefühl hat um mit einer Sache zu dealen, die so viel Diskretion erfordert wie Linkmarketing. Ein “Bauernopfer”, das auch von seiner Rolle weiß oder noch besser eine eigene Seite des Linkeinkäufers als Beispiel ist wohl die beste Lösung.

9. Never make the first offer!

Hier bin ich zwiegespalten. Weil ich natürlich weder LinkEINkäufer noch LinkVERkäufer bin und nicht weiß, welche Seite man mehr stärken muss. 🙂 Fakt ist aber, dass der Webseitenbesitzer den Wert seiner Links regelmäßig unterschätzt und der Einkäufer gut beraten ist, diesen ein erstes Angebot machen zu lassen. Würde ich Links verkaufen würde ich natürlich auf das Gegenteil bestehen. 😉

10. Wenn Du kannst, sei charmant, wenn nicht: Lass es!

Die Floskel “Beim Surfen im Internet bin ich auf Ihre Seite gestoßen, in der ich mehrere Tage verzückt versank und Ihnen deswegen erst heute schreibe…” ist spätestens dann nicht mehr glaubwürdig, wenn die Linkanfrage an ein Splog oder eine geparkte Domain geht. Auch das nur scheinbar ehrliche “Auf der Suche nach relevanten Linkpartnern für meine Flugreisebüro spampoint.de bin ich …” erfüllt nicht seinen Zweck, wenn es von “…auf Ihre wirklich interessante Seite www.trompeten.com gestoßen und befürworte daher eine schnellstmögliche gegenseitige Verlinkung.” gefolgt wird. Also wenn man gern rumschleimen will muss man sich doch die Zeit nehmen die Seite kurz anzuschauen. Dann kann des Gesabber sogar einen positiven Effekt erzielen. In allen anderen Fällen nervt es nur oder bewirkt das Gegenteil.

11. Halte den Prozess schlank

Im Interesse beider Seiten ist es sinnvoll einen möglichst langen Vorauszahlungszeitraum zu wählen oder die Linkmiete sogar in eine Einmalzahlung umzuwandeln. Wer wegen einer Miete von 5€/Monat auch monatlich 2 Buchhaltungen, Steuerberater, Banken und Finanzbeamte beschäftigt, darf sich nicht wundern, wenn die Kooperation sich für einen der Partner schon bald nicht mehr lohnt oder er bei der Verhandlung den Spruch “Dafür schreib ich noch nichtmal die Rechnung” zu hören bekommt. Also große Pakete schnüren und mind. 12 Monate im Vorraus zahlen!

12. Der beste Weg eine Linkanfrage zu schreiben…

… ist sie eben nicht zu schreiben! Sondern das Telefon in die Hand zu nehmen und anzurufen. Heißt das, dass ich mich über ständige telefonische Anfragen freue? Nein! Aber die Erfolgschance ist größer. Und ich gehe sicher, dass meine Linkkauf-Anfragen nicht an Konkurrenten, Chefs oder Spamhunter weitergeleitet, in Chats und Foren gepostet werden oder ausgedruckt am Blackboard der Mitbewerber landen.

Bonus-Tipp: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass weibliche Linkbuilder, vor allem am Telefon, eine weit aus bessere Chance haben den Deal einzufädeln. Die Gründe sollten offensichtlich sein. Das muss man nicht nutzen – kann man aber …

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{ 13 comments }

Christian November 6, 2009 at 16:32

Guter Beitrag, der alles wichtige aufzählt. Massenmails und jene, die nicht aussagen, mit welcher meiner Seiten, ein Linktausch/verkauf eingegangen werden soll, landen bei mir auch sofort im SPAM!

Borris November 6, 2009 at 16:33

Ich glaube dir schreiben die gleichen Menschen/Maschinen wie mir 😉
Danke für den Artikel und Grüße aus der Nachbarschaft,
Borris

Florian November 6, 2009 at 16:37

“Beim Surfen im Internet bin ich auf Ihre Seite gestoßen, in der ich mehrere Tage verzückt versank und Ihnen deswegen erst heute schreibe…”

Höhö! 😀

Schöne Zusammenstellung! Merci!

Günther November 6, 2009 at 17:37

Letztens erst zwei Anrufe von Abakus bekommen, für Linkmiete.
Einmal von einem Mann (eher unsympatisch) und einmal von einer Frau (sehr angenehm) 😉

Telefon hat schon Vorteile, das stimmt.

Rudi November 6, 2009 at 18:00

Flugreisebüro spampoint.de hat mir blutige Schenkel beschehrt… 😉

Matze November 6, 2009 at 18:50

Bitte doch nicht immer den Tip mit dem Anrufen geben.

Solche Anrufe neeeeerven 😉

Konstantin November 6, 2009 at 20:52

Kann ich auch vorstellen, dass Telefonanrufe ne hohe Erfolgsquote haben aber auf Dauer würde es mich nerven, wenn dann vor allem so richtig unpassende Linktauschanfragen kommen würden. Dann lieber sone Mails ignorieren und fertig.

Loewenherz November 6, 2009 at 21:45

Lustig, ist das doch genau eines der Themen, das ich heute lang und breit mit dem SEOnauten am Telefon bequatscht habe. Und der Bonus-Tipp stimmt exakt mit meiner Empfehlung überein. Du hast nicht zufällig gelauscht? 😉

Frank November 7, 2009 at 09:51

Da steckt viel Wahres drin. Der wichtigste Tipp dürfte wohl sein, dass man seriöse Angebote machen soll. 98% der Linktauschanfragen, die ich erhalte, sind entweder nichtsagend oder schlicht eine Unverschämtheit!

P.S.: Wer mich anruft, hat die schlechtesten Chancen überhaupt. Das nervt hochgradig.

Heiko Richter November 8, 2009 at 01:22

Was hier noch fehlt ist ein Fazit nach dem Bonus-Tip, eine mögliche eMail-Anfrage zum Linktausch, kauf und/oder zur Linkmiete als kurze Anformulierung. Ansonsten m.E. ein guter Artikel in dem etwas mehr als die wahre Realität beschrieben wird.

SEO Notes November 12, 2009 at 11:24

Die Tipps sind recht gut! Wenn ich mir die Kommentare ansehe, dann entdecke ich schon Argumente, die aus der Profi-Denke kommen. Wenn ein SEO mehrere Projekte besitzt, erhöht sich natürlich die Anzahl der Anfragen und auch der Anrufe. In der Regel will ein SEO aber Links von “frischen” Projekten, die eben nicht schon in den üblichen Verdächtigen Marktplätzen verheizt sind. Daher bekommen die Betreiber solcher “frischen” Websites auch nicht die Masse an Anrufen oder Mails.
Diesen Punkt sollte man eben auch beachten und nicht meinen wenn man als SEO 20 Mails am Tag bekommt, dass es dem Betreiber einer “frischen” Site auch so geht.

Benjamin November 12, 2009 at 16:42

Alles korrekt, aber die Anrufe nerven mich zu Tode, gerade die Anrufe von irgendwelchen Agenturen, die mir Ihr Partnerprogramm vorstellen möchten. Sowas geht am besten über Mail, weil man sich dann auch sofort einen Eindruck machen kann.

Wer bei mir vor 12 Uhr anruft, hat sowieso gleich verschissen… 🙂

Frank June 9, 2012 at 13:31

Schon zweieinhalb Jahre alt der Artikel. Aber scheinbar haben ihn viele noch nicht gelesen, die dies mal tun sollten. Am besten richte ich ein Auto-Reply ein mit Link zu dir Pip 🙂

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