Warum Sedo jedes Jahr Millionen verschenkt…

by Philipp Klöckner on 20/09/2010

Die Sedo GmbH mit Sitz in Köln ist nach eigener Auskunft der führende Domain-Marktplatz der Welt. Die United Internet Tochter ist in Europa der Inbegriff des Domainsmarkts und hält über ihre Tochter DomCollect eines der attraktivsten Domain-Portfolios überhaupt. Sedo verdient im Schnitt eine Transaktionsgebühr von 10% (seit 2012: 15%) des über den Marktplatz abgewickelten Transaktionsvolumen. Je mehr und je teurer Domains verkauft werden, umso profitabler ist die Sedo GmbH letztlich für die United Internet AG. Außerdem verdient Sedo natürlich am sogenannten Domain-Parking, also der Monetarisierung von Type-In-Traffic auf ungenutzen Domains.

Während sich der Umsatz der Plattform von 2004 auf 2005 noch mehr als verdoppelte, wuchs der Domain-Sekundärmarkt im letzten Jahr nur noch um magere 3% auf knapp 55 Mio. Euro (Sedo Marktstudie). Und dennoch würde ich behaupten, dass zweistellige Zuwachsraten nur eine Frage des optimalen Geschäftsmodells wären. Denn was der Domainmarkt braucht ist vor allem eines: LIQUIDITÄT!

Denn die großen Domainhändler horten große Portfolios an Premium-Domains und Type-In-Domains in der (berechtigten) Hoffnung auf steigende Preise. Neues Geld und damit neue höhere Umsätze fließen aber nur dann in den Markt, wenn neue Domainkäufer (zumeist Endkunden, also Domain-Betreiber und nicht Domain-Händler) den Marktplatz betreten. Auch wenn sich sowohl mit Type-In-Traffic als auch mit dem Projektieren von Domains exorbitante Renditen im dreistelligen Bereich verdienen lassen, so fehlt es doch den meisten Marktteilnehmern an Liquidität um teure Premiumdomains oder große Portfolios aufzukaufen. Dadurch bleiben letztlich auch bei Sedo die Marktplatz-Umsätze aus. Denn wenn alle ihre Domains von der Hoffnung auf steigende Preise beflügelt in den Keller legen, stagniert der Handel über den Marktplatz Sedo zunehmend. Selbst diejenigen, die teure Premiumdomains profitabel betreiben könnten, haben oft nicht die Liquidität diese vorzufinanzieren.

Eine Chance die (fast) NUR Sedo nutzen kann!

Denn das scheinbare Marktversagen ist viel mehr eine Chance als eine Bedrohung für Sedo. Denn aus der Liquiditätslücke ergibt sich eine mehrfache Chance den Umsatz zu steigern:

1. Absatzförderung mittels Lieferantenkredit

Der sogenannte Lieferantenkredit ist ein klassisches Mittel zur Absatzförderung. Der Lieferant (oder Händler) räumt dem Käufer einen Kredit ein, um den Absatz der eigenen Waren zu fördern. Oft könnten Domainkäufer ohne weiteres die Zinsen bzw. Tilgung des Domainkaufpreises aus den direkten Einnahmen finanzieren, jedoch nicht den Kaufpreis für eine teure Domain sofort aufbringen. Bestünde die Möglichkeit Domains “auf Pump” zu kaufen, würde sich das Marktvolumen schnell vervielfachen.

2. Risiko der Kreditvergabe

Nun könnte man denken, dass die Kreditvergabe an Internetdilettanten und Webhazardeure mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden ist, welches die Vorteile der Absatzförderung letztlich auffrisst. Weit gefehlt! Hier droht kein Risiko, sondern es lockt die zweite Chance Geld zu verdienen! Denn Sedo (ausgewiesener Experte in der Domainbewertung) würde die Kundenkredite natürlich als pfandbesicherte Kredite vergeben. Oder einfacher gesagt: Der zukünftige Käufer bekäme von Sedo lediglich eine Kreditzusage in Höhe des von Sedo geschätzten Domainwert abzgl. eines Sicherheitsabschlags. Die zu erwerbende Domain diente selbstverständlich zur Besicherung des Darlehens. Die Sedo GmbH würde also zum Domain-Pfandhaus avancieren. Kann der Käufer den Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, bleibt Sedo die Domain als Sicherheit. Selbstverständlich ließe man sich die Geldüberlassung (Kreditzins), das Domaingutachten, sowie die Verwaltung des Pfandkredits fürstlich vergüten, so wie das jedes andere Pfandhaus auch täte.

3. Worst Case – Zwangsversteigerung

Foto: Pfandhaus.netFür den realistischen Fall, dass ein gewissen Prozentsatz der Käufer Ihre Domains doch nicht refanzieren könnten, droht der Sedo GmbH eine weitere CHANCE! Wie jedes andere Pfandhaus, würde die verpfändete Domain zwangsversteigert. Natürlich auf dem “führenden Domainmarkt” der Welt, wo der Auktionator (ja, natürlich wieder Sedo) 10% des Auktionspreises erhält. Also im schlimmsten Fall verkauft Sedo eine Domain ZWEImal, und kassiert nebenbei allerlei Gebühren.

4. Best Case – Multiplikatorprozess

Sollte der Käufer seine Domain erfolgreich betreiben können, fließen Ihm nicht nur ständig neue liquide Mittel zu, sondern er kann auch den Teil des Kaufpreises, den Sedo als Kundenkredit gewährt hat direkt in die nächste Transaktion investieren. So kann mit der gleichen Summe an Ursprungsliquidität bei überschaubarem Risiko viel mehr Transaktionsvolumen (und Transaktionsgebühren) geschaffen werden.

5. Marktdynamik durch Liquidität

Die Hebelwirkungen und Vorzüge des Modells sind jedoch noch längst nicht erschöpft. Denn spätestens seit der letzten Finanzkrise weiß jedermann was steigende Liquidität für den Markt bedeutet: Die Domainpreise und damit die Transaktionsvolumina (und die Transaktionsgebühren $$$) werden durch die neue Liquidität (=Nachfrage) kräftig steigen. Immer mehr “Wirtschaftssubjekte”, wie der Ökonom die Menschen romantisch nennt, betreten den Domainmarkt und können sich (kreditfinanzierte) Domains leisten. Endlich würde auch die Bereitschaft bestehen, die teils hohen Verkaufspreise für Premium-Domains zu akzeptieren. Erneut winkt eine Belebung des Domain-Sekundärmarktes und damit neue Umsatzpotential für Sedo. Die Domainverkäufer würden außerdem ebenfalls vom Absatz profitieren und ihr Engagement am Domainmarkt vermutlich auch steigern.

Das Potential für Sedo

Bisheriges Sedo-Geschäftsmodell

Käufer (100.000 €) kauft Domain über Sedo von Verkäufer. Sedo behält Provision (10.000 €) und Verkäufer erhält Kaufpreis (90.000 €)

Bisheriges Modell + Pfandhaus-Modell

Käufer (100.000 €) kauf Domain – Sedo verdient 10.000 €. Anschliessend wird die Domain mit Sicherheitsabschlag von 30% des Marktpreises beliehen. Käufer verfügt über die Domain und wieder über 70.000 €, zahlt aber Zinsen und Gebühren (Bewertung & Verwaltung) an Sedo. Gleichzeitig kann er 70.000 € reinvestieren, was erneute Provisionen in Höhe von 7.000 € generiert und evtl. erneute Zinsen und Gebühren. Nach erneuter Verpfändung stehen immerhin wieder noch fast 50.000 € zur Verfügung und somit bis zu 5.000 € Provision im Raum. Schnell sieht man, dass Sedo schon im 3. Schritt 10.000 + 7.000 + 5.000 + … (= mehr als 22.000 €) verdienen konnte. Obwohl die Hebel durch Preissteigerung und Neukunden noch gar nicht berücksichtigt worden sind.

Prämissen

Für den erheblichen finanziellen Aufwand bräuchte Sedo natürlich einen Finanzpartner. Da die Kreditgeschäfte aber durch den Pfand besichert sind, und da ob der guten Rendite auch die Kreditsätze eher über dem Marktzins gewählt werden können, sollten sich Intermediäre finden, die dieses Risiko gern gegen eine entsprechende Rendite-Erwartung übernehmen.

Außerdem ist es natürlich wichtig, dass der Domainbesitzer im Gegensatz zum klassischen Pfandgeschäft die Nutzungsrechte an der Domain behält um den Kaufpreis auch refinanziren zu können. Die Verpfändung als Sicherheit könnte man über ein Disput-ähnliches Verfahren gewährleisten.

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{ 21 comments }

Friday March 4, 2010 at 12:20

Sedo hat noch ein ganz anderes Problem:
Da werden Verkaufspreise aufgerufen von z.B. 300 Euro. Wenn man dann kaufen will, erhält man die Antowrt vom Verkäufer, dass er nun schnell mal 30000 haben will. Solange solche Typen (bekannte Firma aus Leipzig – ich nenn keinen Namen) da ungestraft bei Sedo inserieren können, ist die Plattform für mich gestorben.

Loewenherz March 4, 2010 at 12:36

Hervorragende Idee Pip – wäre sicherlich interessant für SEDO, aber auch für Heerscharen von Domainbesitzern, die seit Jahren auf einem dicken Portfolio sitzen. Ich hatte auch mal versucht, einige Domains über SEDO zu vertickern, aber Domainer scheinen in der Regel nicht in der Lage, den Wert einer Domain jenseits der Keys wahrzunehmen…

Daniel March 4, 2010 at 12:54

@Loewenherz
“…aber Domainer scheinen in der Regel nicht in der Lage, den Wert einer Domain jenseits der Keys wahrzunehmen…”
Das ist grundsätzlich richtig, auf der anderen Seite erhält man als Interessent bei Keyword-Domains oftmals Gegenforderungen vom Verkäufer, die bei Branchenkenntnis wirtschaftlich nicht vertretbar sind. Ich hatte das letztens mit einer Sportartikel-Domain, welche der Verkäufer für um die 100.000 Euro verkaufen wollte. Kenne ich Marge und Umsätze (anhand von Erfahrungswerten und Einnahmen pro Besucher schätzbar), dann wären das 3-4 Jahresgewinne, die nur in den Kauf des Domainnamens geflossen wären. Irgendwo muss das ganze für beide Seiten lohnend sein.

domainer March 4, 2010 at 13:23

Hervorragende Idee, sehr leserfreundlicher Artikel – macht richtig Spass in der Idee aufzugehen.
Bin gespannt wie die Domain-Branche reagiert.

Andreas March 4, 2010 at 13:31

Kann mich nur anschließen, super Vorschläge. Nicht selten vermasselt sich SEDO selbst bestimmte Deals. Bei der Nachfrage auf welchem Grund das manchmal exorbitante Gegenangebot basiert kommt nicht selten zurück, dass die Domain laut einer SEDO Analyse soviel wert wäre.

Ich hab in letzter Zeit unheimlich viele Domains über SEDO eingekauft, aber etliche Domains werden noch ewig bei ihrem Besitzer verweilen wenn da nicht bald mal realistischere Preise (auch von SEDO selbst) vorgeschlagen werden – oder sich am Ende tatsächlich ein Dummer findet.. (dabei meine ich ausschließlich Domains die noch nie vorher Content enthalten haben).

pip March 4, 2010 at 13:40

Moderierend würde ich sagen, dass viele Domainpreise auch durchaus gerechtfertigt sind, wenn man sieht wie wichtig die Domain heutzutage ist. Es kommt halt vor allem darauf an, was man daraus machen kann.

namewise March 4, 2010 at 15:09

pip:

weltklasse artikel! http://digipawn.com macht das ja schon seit jahren vor.

wir sind heute im domainmarkt wo der immobilienmarkt 1950 war. bereits jetzt gibt es die erste domain fonds, shared ownerships (http://www.fusu.com) und domain kredite. bald werden derivate folgen in die man investieren kann, wie equity swaps.

Hafna March 4, 2010 at 20:43

Ich fänds schon mal gut, wenn’s bei SEDO nur Festpreise oder zumindest Grenzen geben würde. Wie Friday schon gesagt hat, das nervt meist extrem wenn man für ‘ne Domain anfrägt und dann exorbitante Preise zurück kommen…

Andreas March 4, 2010 at 21:30

Wirklich ein herausragender Artikel und ein spannendes Thema!

Habe direkt mal auch in unserem Blog auf diesen Beitrag hingewiesen.

Das wird sicherlich zu sehr interessanten Diskussionen führen. Auf jeden Fall finde ich diesen Denkansatz sehr spannend. Und ich bin sehr gespannt was die SEDO-Macher hierzu sagen werden.

Julian March 5, 2010 at 10:28

Das problem bei diesem kredit mit domain als sicherheit ist, dass ich mit der Domain ja schindludertreiben kann wenn ich sie auf pump kaufe…
Und so kann ich natürlcih auch den Wert vermindern!
Wäre also unklug eine domain als sicherheit zu nehmen ^^

Norman March 5, 2010 at 14:01

Sehr schön, Pip! BWL Grundstudium würde ich sagen. Und wichtig ist vorallem Punkt 5, der Käufer bleibt liquide, auch wenn er nicht weiter bei Sedo investiert, verdienen die an Bewertung & Verwaltung und Käufer kann sein Kapital wieder ins Unternehmen stecken.

Yannick March 13, 2010 at 00:41

Sehr cooler Artikel, gut geschrieben und interessante Rechnung!! 😉

Julian March 17, 2010 at 11:39

Hi Pip,

Sedo macht so unglaublich viel falsch – mehr geht kaum. Tatsache ist, dass sie in Deutschland keinen Konkurrenten haben und Konkurrenz bekanntlich ja den Markt belebt.
Auch Sortierfunktionen etc. sind absolut rudimentär und nicht mehr zeitgemäß. Sedo müsste sich nur mal 10 Minuten Flippa.com ansehen und hätte unendlich neue Verbesserungsvorschläge auf dem Silbertablett serviert.
Domains mit Finanzierung kaufen ist sowieso eine super Idee. Ich persönlich würde das nicht Sedo machen lassen, sondern einfach einen Fonds aufmachen. 🙂

Fabian March 20, 2010 at 13:43

Hi,

ich kann Julian nur zustimmen. Der ganze Laden von United Internet inkl. GMX, 1und1 etc. sind vor 15 Jahren durch Zufall in den Markt gestolpert, haben seit der Zeit aber kaum mehr Innovatives geleistet. Ich würde von SEDO niesbezüglich nicht viel erwarten. Es müsste mal ernstzunehmende Konkurrenz in dem Markt geben. Kann doch nicht so schwierig sein, eine Handelsplattform auf der Grundlage Deiner Idee aufzubauen?!

Gruß

Peter Müller April 10, 2010 at 20:54

wenn Sedo eine bank würde, dann müßte sicherlich noch stärker diskutiert werden, dass sedo diverse interessenkonflikte in sich vereinigt: Marktplatz, Tocher, die mit domains spekuliert und Domaingutachter. erst begutachten und dann vielleicht billig einkaufen?

Mario July 10, 2010 at 12:29

Ich denke auch mal, dass SEDO letzte Innovationen schon etwas her sind. Die Provisionen für den Verkauf von Domains sind eine Sachen, aber die schlechten Parkingseiten eine andere Sache. Die Einnahmen sind wohl eher zufällig oder nur bei sehr guten Keywords in Ordnung. Domains über SEDO vertickern ist noch schwieriger. Da bekommt man auf der einen Seite als Verkäufer “Scherzangebote” 500 Euro o.ä. auf der anderen Seite muss man als Käufer schon mal das 3-4-fache der Jahreseinnahmen für ein Domain springen lassen. Hmmmmmm.
Aber zum Glück gibt es noch Lösungen mit denen man nicht auf SEDO angewiesen ist.

Johannes September 24, 2010 at 23:21

Leute Leute,

das gesamte Domain-Business wartet nicht auf eine Lösung damit käufer wie Philipp Klöckner sagt: mehr LIQUIDITÄT besitzen. So ein Schwachsinn! Angebot und Nachfrage ist hier das Zauberwort. Es ist Unsinn wenn sich ein Privatkunde Domains ab> 5000€ zulegt dies würde in einem riesigen Finanzchaos enden wenn es dabei noch ein Kredit oder sogar Kauf auf Pump-System gäbe.

Ich glaube Philipp Klöckner muss sich besser in das Thema einarbeiten, denn aus seinem Text geht ganz klar hervor, dass er den Prozess eines Domain-Transfer nicht kennt! Es gibt gewisse Sperren damit Domains nicht im Sekundentakt transferiert werden können und diese Sperren kommen nicht von Sedo. Damit ist ein Handeln mit Domains wie es von der Börse gekennt wird nicht Möglich.

Momentan sind in der Sedo-Datenbank 16Millionen Domains eingetragen was die zum absoluten Marktführer macht. Und selbst Google hat versucht in die Domain-Branche einzusteigen. Mmmmh aber wieso kennt man den Service von Google nicht? ER WURDE EINGESTELLT! Sogar Google hat in einem Bericht erklärt, dass dieser Markt belegt ist. Da es hunderte Millionen kosten würde in diesem Markt Fuß zu fassen.

Wer also sagt Sedo mach einiges/alles falsch hat einfach keine Ahnung! Denn was wisst Ihr bitte schon über das Domain-Business? Genau nicht viel bzw kennt Ihr nur oberflächliche Informationen.

Ich verkaufe seit 2007 Domains bei Sedo und habe es auch bei anderen Anbieter versucht. Sedo hat einfach am meisten Ahnung den besten Service und die beste Plattform!

Und Philipp Klöckner muss einfach verstehen, dass sein System wenn es gut wäre schon längst umgesetz würde oder glaubst du jetzt echt du bist vor Sedo auf so eine Idee gekommen? Oh Gott ich bete für dich das du es nicht glaubst. Und für die Leute die fleißig Kommentare geschrieben hat Sedo ist ein Marktplatz auf dem Verkäufer Preise bestimmen können wie Sie wollen und daran kann Sedo nichts ändern. Würde Sedo Preise überwachen und verändern dann wären sie kein Marktplatz!

Somit verbleibe ich mit,

der Text ist spannend geschrieben aber Inhaltlich schlecht und nicht umsetzbar.

Grüße Johannes

Sebastian September 26, 2010 at 21:37

Ich denke viele DomainDeals werden heute ohne SEDO gemacht. Das Wachstum des Domain-Sekundärmarktes kann somit auch nicht richtig dargestellt werden.

LG, Sebastian

pip September 29, 2010 at 20:29

@johannes: Ich glaube behaupten zu dürfen, dass es schon Akteure im Domainbusiness gibt die es gut fänden wenn “Käufer wie Philipp Klöckner” mehr Liquidität hätten. Natürlich muss nicht zwangsläufig SEDO diese Funktion erfüllen. Jedoch erkennt eine normale Bank Domains in der Regel nicht als Sicherheit, während SEDO den wert dieser Domain recht gut beleihen könnte.

Ich glaube Dir durchaus, dass Du ausreichende Erfahrungen hast, um Die eine Meinung zu dem Problem zu bilden. Du darfst mir aber auch zugestehen, dass ich nachdem ich in den letzen 18 Monaten Domains für einen 7-stelligen Betrag eingekauft habe und mehr als 300 Domains transferiert habe, sowohl den Domainmarkt, als auch die verschiedenen Transfer-Restriktionen wie die 60-Tage-Sperre zumindest grundlegend verstanden habe. 😉

Sicherlich ist SEDO Marktführer und hat derzeit das beste Produkt. Gerade von der Käuferseite gibt es aber immer wieder Kritik am Marktplatz. Domainsuche, Monetarisierung, Verhandlungslogik und viele andere Dinge könnten durchaus besser umgesetzt werden. Und ein großer Teil des Sekundärmarkts findet, wie Sebastian richtig sagt, inzwischen außerhalb von SEDO statt. Du kannst Dir vorstellen, dass man sich ab einem 5-stelligen Domainwert 3 mal überlegt ob die SEDO “Dienstleistung” noch 10% wert ist.

Dass Kreditfinanzierung zwangsläufig mit einer Überhitzung einhergeht ist einfach nur Unsinn. Kein Weltkonzern arbeitet heutzutage ohne Fremdkapital, oder denkst Du dass BASF seine Raffinerien vom Bankkonto bezahlt? Es ist vollkommen selbstverständlich, dass man Investitionen mittels Krediten finanziert, weil man davon ausgeht dass die Renditen der Investition die Kreditzinsen übersteigen. Wer hier immer gleich mit der Finanzkrise argumentiert, dem fehlt offenbar der Horizont mal über das Domainmarkt hinwegzuschauen.

Dietmar August 6, 2012 at 18:42

Moin!

zu 1.
SEDO ist ja nicht im Besitz der zu vertreibenden Domains, sondern lediglich Vermittler, also können sie vermittelte Domains ja nicht als Pfand gegenüber ihren potentiellen Geldgebern ausweisen. Wie besichern sie also ihrerseits ihre Kredite? Durch DomCollects Domains?

zu 4.
In deinem Beispiel fliesst der Kredit für den Kauf der 1. Domain in die Tasche des Käufers(!). Was erhält eigentlich der Verkäufer beim Verkauf der Domain?

zu 5.
In deinem Beispiel gehst du davon aus, dass der Endkunde nach dem ersten Premium-Kauf weitere Domains kaufen wird. Wie hoch die Zahl der End(!)-Kunden wohl sein mag, die dies tun würden? Ich vermute stark, dass sie gegen Null tendiert.

Ahoi!

pip August 6, 2012 at 19:01

ad1) auch Händler können Lieferantenkredite vergeben – why not. Für SEDO ist es wesentlich einfacher sich ohne Besicherung zu refinanzieren. Natürlich würde man hierfür einen Finanzpartner benötigen. Verstehe nicht wo das Problem sein soll.

ad4) Der Verkäufer erhält den vollen Kaufpreis, der Käufer hat im Anschluss an den Kauf oder im Vohinein nur eben die Möglichkeit sich zu refinanzieren.

ad5) ich vermute Sie ist deutlich höher als Null. Es muss auch nicht immer der “Endkunde” sein von dem jeder träumt. Die Domainfonds und großen privat gehaltenen Portfolios eigen doch bereits, dass es eine Käuferschaft gibt. SEDO ist ein Marktplatz. Den Begriff “Endkunde” benutzer meiner Meinung nach nur Domainer. Aus meiner Sicht ist Kunde gleich Kunde. Immer mehr Domainer werden selbst zu Endkunden und viele Endkunden zu Domainern und Wiederkäufern…

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