SEO Perspektive 2013 – Womit sich Optimierer im neuen Jahr beschäftigen müssen

by Philipp Klöckner on 08/01/2013

Es ist ja gute Tradition geworden um die Jahreswende entweder Jahresrückblicke auf das vergangene Jahr oder Ausblicke ins neue Jahr zu wagen. Ich würde gern versuchen, abseits der “Likes statt Links” und “User immer mehr im Mittelpunkt”-Hypothesen, die meiner Meinung nach einerseits schon längere Zeit gültig waren und andererseits eher schleichend vorangehen, mal ein paar wenige Trends in der Suchmaschinenenoptimierung beleuchten, die 2013 wirklich wichtiger werden könnten.

1. Negative SEO

Der Punkt steht nicht ohne Grund auf Platz 1. Gefühlt erlebt Negativ-SEO gerade einen ungeahnt flächendeckenden zweiten Frühling.

Mit dem Disavow-Tool hat Google letztes Jahr indirekt eingestanden, dass man Webmastern eine Möglichkeit geben muss, sich von Links zu distanzieren, welche die eigenen Rankings eventuell negativ beeinflussen können. Negativ SEO, also das gezielte “abschießen” von Konkurrenten durch das Triggern spezieller Thresholds für Filter und Penalties, war auch in den vergangenen Jahren kein unbekanntes Thema. Obwohl Google bis zum Schluss Webmaster hat glauben machen, dass es keinekaum … nur selten Möglichkeiten gäbe, die Rankings eines Mitbewerbers negativ zu beeinflussen, war negative SEO gerade in kompetitiven Bereichen schon immer ein Thema.

2013 wird negative SEO jedoch leider zum Massentrend. Grund ist neben der allgemeinen Debatte um das Disavow-Tool zum einen die einfache Verfügbarkeit und hohe Effizienz von entsprechenden Tools und Spamming-Scripten. Vor allem aber hat Googles Anti-Linkbuilding Clusterbombe “Penguin” einerseits einen Großteil der extrem unnatürlichen Links erkannt und bestraft. Anderseits ist es aber einfacher denn je geworden unliebsame Konkurrenten gezielt aus den SERPs für die attraktivsten Keywords zu schießen.

Fakt ist: Mit negative SEO wird sich 2013 vermutlich jeder von uns beschäftigen müssen. Damit meine ich die Abwehr und Reaktion auf solche Maßnahmen. Ein guter Ausgangspunkt für das Thema ist übrigens der hervorragende Beitrag von Bastian Grimm zu dem Thema. Wie das Problem auf Seiten von Google zu lösen ist steht in den Sternen. Einerseits muss man Penguin wohl eher darauf trimmen solche potentiell schädlichen Links lediglich zu ignorieren statt zu bestrafen. Die “Erzeihungswirkung” auf die Webmaster, die mit Penguin angestrebt wurde, hat ja bereits stattgefunden. Von daher wäre es vertretbar die Penalties still und heimlich etwas zu lockern.

Zudem muss Google sich vermutlich beim Auswerten von Links wieder mehr auf redaktionelle und vertrauenswürdige Webseiten konzentrieren, die nicht mit automatischen SPAM-Attacken kompromittiert werden können. Dies wiederum stände aber im Widerspruch zur stärkeren Beachtung von user-generierten und sozialen Signalen. Einen großen Teil zur Lösung des Problems könnte das Authorship-Markup beitragen, wenn dieses flächendeckend eingesetzt wird. Denn was immer immer mit anonymen Comment- und Foren-Spam noch gut funktioniert, verliert seine Wirksamkeit sobald es Authentifizierung mittels Authorship und somit eines echten Google-Profils erfordert.

2. Organic Backfill vs. Google Portal

Google MonopolyDer Traffic-Anteil, um den SEOs im organischen Bereich der SERPs konkurrieren ist 2012 kleiner geworden denn je. Immer mehr Anzeigen, Ad-Extensions und Google-Produkte rauben bis zu 95% der Sichtbarkeit above the fold. Wo der erste Platz vor Jahren noch bis zu 50% des Suchvolumen in Besucher umwandeln konnte liegt die SERP-CTR heute oft im einstelligen Bereich. Die organischen Ergebnisse verkommen teilweise zum Backfill für ein werbelastiges Portal in dem der Google Knowledge Graph die Suchanfragen beantwortet, Werbung den Großteil der Aufmerksamkeit vereinnahmt und das erste organische Ergebnis ein Google Produkt ist. (Vgl. “Google Monopoly“)

“Suchmaschinenoptimierung” wird also mehr und mehr bedeuten, Zugang zu den nicht-organischen Segmenten der SERPs zu erlangen. Es gibt mehr Agenturen, Berater und selbständige SEOs denn je. Nicht nur die Kuchenstücke werden kleiner, sondern die Torte um deren Krümel wir uns reissen wird von Google auch immer kleiner gebacken. Es gilt also neue Betätigungsfelder zu finden…

3. Vertikale Suchmaschinen – SEO ist nicht nur Google-Optimierung

Google ist in fast allen Teilen der Welt Traffic-Quelle Nummer 1 und in Deutschland mit über 95% Marktanteil die einzige Suchmaschine, auf die es sich lohnt zu optimieren… FALSCH!

YouTube.comDenn die Entwicklungen der letzten Jahre bieten smarten Optimierern viele neue Betätigungsfelder um ihr erworbenes Wissen einzusetzen. Was die meisten Auswertungen über den Suchmaschinenmarkt verschweigen ist der Fakt, dass die zweitgrößte Suchmaschine der Welt einerseits auch Google gehört und fast eine Milliarde Menschen im Monat erreicht. Die Rede ist von YouTube. Am heutigen Tag werden circa 5 Milliarden Videos auf YouTube angeschaut werden. Jeden Tag! Ist es nicht Zeit sich damit zu beschäftigen, wie man kommerzielle Inhalte in der YouTube-Suche optimal platzieren kann?

Auch die Google Bildersuche bietet enormes Trafficpotential und gibt im Gegensatz zur Google-Suche (noch) relativ viel Traffic an den Rest des Internet weiter. Ebenso wichtig ist es die Ranking-Kriterien von Google’s Vertikal-Suchen Places, Shopping oder News zu verstehen.

Auch die Nachfrage nach Experten für das Ranking von Apps im Apple AppStore und in Android Play wird 2013 weiter steigen. Dienstleister, die Apps für begrenzte Zeit in den Toplisten der Download-Marktplätze platzieren können, werden zu wertvollen Go-to-Guys, an denen man eigentlich nicht mehr vorbeikommt, wenn man eine App effizient und erfolgreich im Markt platzieren will.

Daher ist vertikales SEO einer der wichtigsten SEO-Trends 2013 für mich. Dienstleister die Feeds und Inhalte für Preissuchmaschinen, Immobilienportale, Download-Portale und andere Marktplätze und Suchmaschinen optimal aufbereiten oder deren Rankingfaktoren verstehen, können ihren Kunden wertvolle Services anbieten, die zu direkten Umsatz- und/oder Effizienzsteigerungen beitragen.

Fazit

Nein, SEO ist nocht nicht tot und wird es nie ganz sein. Aber der Tropf an dem wir alle hängen wird mehr denn je von Google reguliert und die Zahl der Besucher, die Google an dritte Webseiten weiterleitet steigt nicht mehr von Jahr zu Jahr, wie wir es gewohnt waren.

Umso wertvoller wird es für Unternehmen jedoch das einzige noch sichtbare organische Ergebnis in bestimmten Bereichen zu stellen. Ein alter SEO-Spruch lautete “The best place to hide a dead body is page 2 of the Google SERPs“. Das behält seine Gültigkeit, nur dass die zweite Seite, auf die niemand mehr schaut oder klickt heute schon bei Platz 3 anfängt und selbst die ersten Plätze erhalten weniger Traffic denn je.

Das gute ist jedoch: Ebenso wie Energie lässt sich Traffic quasi nicht vernichten. Der Traffic ist einfach nur woanders. Er läuft immer mehr über AdWords und Google-eigene vertikale Suchmaschinen wie die Image Search, YouTube oder Shopping. Apps werden immer wichtiger um Benutzer an Google vorbei zu den eigenen Angeboten zu navigieren. Es mehr gibt mehr als genug Arbeit für smarte Suchmaschinenoptimierer. Wer sich aber lediglich auf die organischen Google SERPs konzentriert, für den könnte 2013 frustrierend werden…

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